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Die Weiler

9.1 Tatz

Tatz war um 1300 eine bedeutende Siedlung. Der Weiler liegt auf einer sonnigen Terrasse der Südrampe auf 1482 m ü.M. oberhalb Niedergesteln. Man erreicht das Feriendorf Tatz mit dem Auto über Steg, Hohtenn und Ladu. Auf dem Fussweg über den Lidu- / Tatzweg. Oberhalb Tatz ist die Alpe Mattachru, gegen Osten die Alpe Joli.

 

Feriendorf

Früher war die Alpe Tatz ein wichtiger Bestandteil im landwirtschaftlichen Ablauf. Heute wird Tatz als Feriendorf genutzt.

Reuben

In alter Zeit waren die Wiesen, zumindest teilweise, Gemeineigentum. Als letzter Rest hievon ist noch die Einrichtung geblieben, dass die Wiesen alle an einem bestimmten Tag gemäht werden mussten. Auf Tatz ist hierfür Maria Magdalena (22. Juli), auf Finnen St. Jakob (25. Juli) festgesetzt.

(Pfr. Jos. Indermitte) Früher liess man sich noch Zeit beim Reuben. Es war schön zu sehen, wenn da etwa 20 Burdiner auf einmal schön hintereinander durch die Trogmatte herauskamen. Die Buben fragten einander: „Wie mängä Wisch magscht?“ „3 bis 5“, war die Antwort je nach Alter der Buben. Die Mannen aber luden 10 bis 12 auf. Das Wischu musste auch verstanden sein. Man sprach von gitrunggä und luggä Wischu. Das Weibervolk machte diese Arbeit und die meisten verstanden sie sehr gut.

Tanzen

(Pfr. Jos. Indermitte) Die Tatzner und Tatznerinnen gingen zum Tanze nach Laden und umgekehrt. Zu einem urchigen Schottis, gespielt mit der Mülharpfu oder der Schnurugigu. Manche sahen von einer Ecke aus zu, das Handwerk des Tanzens nicht erlernt, sie hielten es mit denen, die gesagt haben: „Im Chopf hetti d’Melodie, abär i mag scha nit gitscheblu!“ Ausklang fanden die Tanzabende mit einem gemütlichen Abusitz, beim Auftischen von Bozengeschichten oder zu einem Jass bei Petrolbeleuchtung.

1913 F. G. Stebler berichtet

„Der erste Lötschbergzug verbindet das Bernbiet mit dem Oberwallis und erschliesst damit die Dörfer, Weiler und Sommersiedlungen längs den sonnigen Halden des Lötschbergs dem Verkehr.

Blicken wir von der Station Hohtenn über den schattenlosen Steilhang ins Rhonetal hinunter, so gewahren wir, mehr als 400 Meter tiefer, im Winkel zwischen Hang und Ebene, das Dörfchen Niedergesteln. Wenn der Bergfrühling die Alpweiden grünen lässt, zügelt der Niedergestler sein Vieh ins Sommerdörfchen Tatz hinauf, das in 1482 m Höhe, auf einer aussichtsreichen Terrasse bis in den Herbst hinein ein sonnenfreudiges Dasein führt. Der Gestler bleibt aber nur so lange da oben, als das Wässern, Weiden und die zerstreuten Korn- und Kartoffeläckerlein seiner bedürfen, dann zieht er, der gebliebene Nomade, wieder zu Tal und das einige Male des Jahres.

Den ersten touristischen Besuch machte 1878 Edmund von Tellenberg, der von Gampel aus nach Tatz stieg. Er war entzückt von der herrlichen Aussicht, die er hier genoss, und erwähnt, dass der Ort sich vorzüglich zum Sommeraufenthalt eignen würde. Diese Sommerdörfer und ihre Wasserleiten müssen sehr alt sein, findet man doch in einzelnen noch vorhandenen Urkunden Jahrzahlen des 14. Jh. Eine Wasserleite ist bereits 1311 erwähnt. In der Binde der Häuser ist meist die Jahrzahl der Erbauung eingeschnitten, häufig auch die Namen des Erbauers und seiner Ehefrau, des Baumeisters oder sogar noch ein Sprüchlein. Das älteste bewohnte Haus trägt die Jahrzahl 1520 in gotischen Minuskeln.

Das Sommerdorf Tatz gehört zur Gemeinde Niedergesteln am Ausgang der Jolischlucht. Den Namen hat der Ort von dem Schlosse, das um das Jahr 1000 auf dem Felsen ob der Kirche gestanden hat, wovon nur noch einige Mauern zeugen. Jetzt ist der Ort klein; umso berühmter ist seine Geschichte.“

9.2 Lidu

Lidu war bereits im 15. Jh. bewohnt, es liegt oberhalb des Dorfes Niedergesteln, unmittelbar unterhalb der BLS Bahn. Der Ort kann nur zu Fuss erreicht werden. Eine Möglichkeit ist der Höhenweg der Südrampe, die andere vom Dorf Niedergesteln über den Liduweg.

 

Die Gebäude im Lidu

Der Weiler Lidu besteht aus einer Gruppe kompakt zusammengebauter Gebäude aus Stein und Holz.

Nutzen

Wie Tatz war Lidu ein wichtiger Bestandteil im landwirtschaftlichen Ablauf. Heute wird Lidu von einzelnen Hobbylandwirten für die Schafhaltung genutzt.

 

Bewässerung

(Pfr. Jos. Indermitte) Die Tatz-Gieschsüe macht einen Spazierung nach Lidu und heisst hier Lidusüe, obschon ihre Mutter die Tatzsüe ist. Früher, als das Wasser die Matten noch küsste und das Heu geschnitten wurde, war das Lidu ein schönes Gut.

In die ehemalige Lidusüe wurde inzwischen eine Berieselungsleitung gelegt. Deren Fassung liegt im Lüegilchi und sie geht bis ins Lidu. Vielleicht wird sich einmal die Möglichkeit ergeben, die Lidusüe wieder in Betrieb zu nehmen.

Hexenmäher (Augustin Imboden) Ein Gampjer kam einst den Weg herauf nach Lidu. Dort sah er einen Mann am Mähen und seine Sense glitzerte in der Sonne. Als der drunten in der Gasse das sah – er konnte schon mehr als andere Leute – dachte er bei sich: „Dem will ich jetzt zeigen wie man mäht!“ und nahm ihm die Wetzi weg. So brachte der keinen Schnitt mehr ab. Der Lidu Mäher war auch kein Gewöhnlicher. Er sah sich um und meinte: „Wer mich da gestellt hat, den stelle ich auch!“ So konnte der Gampjer unten keinen Schritt mehr weiter gehen und musste dort warten, bis der Lidu Mäher herunter kam und ihn weiter liess. Beide konnten hexen.

9.3 Brägji

Der Weiler Brägji liegt auf 1000 Meter über Meer. Auf der Strasse von Niedergesteln – Gesch - Rarnerkumme – Chäla gelangt man zu einem zum Fussweg und auf diesem in 15 Minuten zum sonnigen Weiler Brägji.

Die Familien Bregy stammen wohl alle von einer Familie aus dem Weiler Brägji ab.

Gebäude

Eine Gruppe von 10 Gebäuden stehen im Weiler eng beisammen. Der Weiler ist im Nutzungsplan als Maiensässzone eingetragen. Die Eigentümer konnten nun in den letzten Jahren einige Gebäude sanft sanieren.

Landwirtschaft

Früher hatte man die Wiesen noch gemäht. Das Heu wurde im Winter im Weiler an die Tiere verfüttert. Da es dort im Winter kein Wasser gab, wurde Ende Herbst das Wasser in Reservoiren gespeichert, um die Kühe zu tränken.

Heute werden die Wiesen ausschliesslich für Schafhaltung verwendet.

Gratzug

(Peter Josef Imboden) Einst ging jemand hinauf ins Brägji zum Abundsitz und zum Tanz. Zuerst beteten sie gemeinsam ein Vaterunser, damit nichts vorbeikomme. Aber um Mitternacht entstand um die Hütte ein Gewimmel, dass die Leute unruhig wurden. Die älteste Frau sagte: „Seid nur ruhig, das ist der Gratzug!“ Einige spotteten darüber. Die Frau antwortete: „Doch, doch, da sind viele unserer Vorahnen dabei, man muss beten für sie, wenn sie vorbeikommen“. Ein junger Mann erwiderte: „Das sind doch Flöise, da will ich jetzt richtig hinaus!“ und verliess das Haus. Er kam aber in dieser Nacht nicht mehr zurück. Am anderen Tag fand man ihn im Tschingil an einer Tähle. Der Mann sagte dann aus, er habe Glück gehabt. Wenn nicht sein Onkel im Gratzug gewesen wäre, hätte es ihm schlecht ergehen können. Der Onkel habe ihm gedroht: „Wenn du nicht mein Nepot wärest, hättest du nicht mehr ins Brägji hinüber gehen müssen. „Seht jetzt, ihr meint immer, der Gratzug sei nicht, aber er ist!“ bestätigte die alte Frau der Tanzgesellschaft.

9.4 Wasserleite

Auf der Strasse Gesch - Obergesch - Chäla gelangt man zum kleinen Weiler Wasserleite. Die Gebäude stehen direkt oberhalb und unterhalb einer Wasserleite, woher der Weiler auch seinen Namen hat.

Nutzung

Früher wurden die Häuser das ganze Jahr als Wohnhäuser benützt. Felix Steiner (Giescherfeli) war hier daheim, er kam vom Giesch und wurde daher auch z’Gieschersch genannt.

Später wurden die Gebäude nur mehr bei Arbeiten in der Landwirtschaft benützt. Heute werden die Gebäude als Ferienhäuser genutzt.

Wanderungen

Von den Wasserleite kann man der Grossi Süe entlang nach Westen bis zum Trieschbord und von dort weiter zur Chäla, hoch zum Brägji oder hinunter zum Dorf Niedergesteln wandern.